Mutig älter werden

Erstellt: Sonntag, 20. März 2016 Geschrieben von Hannelore Schneider

wie alt bist du eigentlich, Oma
so fragt Marie, mein Enkelkind
ganz stolz zeigt sie mir 4 Finger
„ich bin vier“  und du?
ich zeige beide Hände – also zehn Finger
und zähle  10 – 20 – 30 -  40 – 50 – 60
und noch 3 Finger   -   so alt!
ungläubig sieht sie mich an
ja, Alter ist eine Frage der Perspektive

man ist so alt, wie man sich fühlt –
wie alt fühle ich mich?  
heute morgen jedenfalls  jünger
als gestern Abend
ich bin noch sehr fit im Treppenlaufen


es geht hoch und runter ohne schnaufen
auch Fahrrad fahren ist kein Problem
komme gut vorwärts  -  ohne Hilfsmotor
hab ne gute Figur und  keinen Stress
mit dem modischen dress
ich kann Texte und Vorträge schreiben
Bücher lesen  kochen  essen
die Welt bereisen
mich mit Freunden treffen
im Internet surfen
mit den Nachbarn reden
den Garten pflegen
die Enkel hüten
mit ihnen spielen, lachen, Eis essen
zeit verbringen

klar es gibt einiges was nicht mehr so geht
ich werde nie Ski fahren lernen
nicht  auf  dem Wasser surfen und nicht paragleiten
den Mount Everest werd ich auch nicht besteigen
ich kann keine Kinder mehr kriegen
das will ich auch nicht
bestimmt muss  ich öfter einen Arzt aufsuchen
weil die Knochen porös  und brüchig werden
man nennt es  Osteoporose
und  dann kommt noch die Arthrose
und die Spinalkanalstenose
die Parodontose 
manchmal eine nasse Hose
vielleicht auch mal ‚ne Kabadose‘
ich werde älter
ich werde trauern
weil die Zeit so schnell vergeht
weil Menschen vor mir gehen
die ihr Lebensziel erreicht haben
aber ich werde mich auch freuen
und stolz sein
wenn ich erlebe
wie meine Kinder in meinen Spuren gehen

manchmal habe ich Angst  alt zu werden
dann brauch ich jemand
der mir Mut zuspricht:
lass den Kopf nicht hängen
richte dich auf
kein Selbstmitleid – bitte
lebe den Tag
mach die Augen auf
schau, was er dir bringt
es gibt immer auch Sonne und Licht
vergiss es nicht
wo sind deine Träume
was wolltest du immer schon machen
fang heute damit an
manchmal hab ich Angst
alt zu werden
irgendwo einsam und allein zu sitzen
in meinem Haus  
und keiner kommt und besucht mich
weil alle so viel zu tun haben und beschäftigt sind
und der Tag ist lang und länger
und mir wird bang und bänger
oder ich lebe in einem Heim
zwar nicht allein
aber eben nicht in der Familie
und alle geben sich viel Mühe
aber jeder Tag wird gleich sein
alles wiederholt sich
täglich
klar Wiederholungen sich richtig
und gut und wichtig
sie geben Struktur und Sicherheit
aber es ist eintönig
langweilig
davor hab ich Angst
aber bis dahin  --  
und das ist noch weit weg
will ich jeden Tag genießen
aufsteh’n wann ich will
eine Tasse Kaffee trinken
die ich mir selber koche
frühstücken, wann und was ich will
jeden Tag etwas anderes
spazieren geh‘n
die Sonne genießen
und nicht verdrießen
mich verabreden
ins Kino gehen ins Theater  zu Vorträgen  
Ausstellungen Konzerten
ich will kranke Menschen besuchen
auch gesunde, alte und junge
Zeit haben für Freunde und Freundinnen
Zeit haben für Kinder und Kindeskinder
und  für meine Seelsorge
ich will ganz da sein
nicht mit halben Ohr wo anders
nicht mit den Gedanken weit weg
ich muss nicht dies und jenes noch tun

und ich will dankbar sein
nicht jammern
dankbar für jeden Tag
für jeden schönen Augenblick
ich danke meinem Schöpfer
meinem Vater im  Himmel, meinem Erlöser Jesus Christus
für die Fülle und den Reichtum in meinem Leben
ich danke für meine Eltern und Geschwister
ich danke für meinen Mann
für unsere Kinder  
Schwiegersohn und   zwei Enkelkinder
ich danke für nette hilfsbereite
Freundinnen und Freunde
und für nette Nachbarn

ich will mutig und dankbar
auch die dritte Lebensphase leben
ich will neugierig bleiben
mich für vieles interessieren
auch wenn Krankheiten kommen
Schmerzen   Gebrechlichkeit
wenn das Gedächtnis nachlässt
wenn Geld knapp wird
wenn ich nicht ohne Hilfe meinen Alltag bewältigen kann
auch dann will ich mutig und dankbar leben
bis zum Ende

dann -  danach  - geht es ja weiter
in einem anderen Leben
ich glaube an die Ewigkeit
an das Reich Gottes,
das hier schon beginnt
da werde ich bei IHM sein
bei meinem Schöpfer
dem Allmächtigen
der mich erlöst
und befreit hat
der mir alle meine Schuld vergibt
und mich aufnimmt in seinem Reich
da wird es keine Tränen und kein Leid geben
nur Frieden und Liebe
und frisches Wasser
das Wasser des Lebens umsonst
das bietet Gott uns allerdings schon hier und heute an
das Wasser des Lebens
seine Liebe
die uns trägt bis ins Alter
das Leben genießen
in jedem alter
die Lebensfreude nicht verlieren
auch wenn Stürme toben
auch wenn man Angst hat,
in den Wellen unter zu gehen
wenn Schicksalsschläge einen schlagen
und man dann gebeutelt am Boden liegt
dann wieder aufstehen
die Krone richten  und  weitergehen
und am Leben wieder teilnehmen und Freude erleben
das ist die Kunst
und die Kraft dafür
bekomme ich durch das Gebet
in der Beziehung mit Jesus Christus
und durch Menschen,
die mir immer wieder helfen und für mich da sind.
Ich will mutig alt werden

Wenn sie auch älter werden, sollen sie dennoch grünen und blühen“ Psalm 92

 

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