Das Labyrinth

Erstellt: Dienstag, 30. Juni 2015 Geschrieben von Hannelore Schneider

Manchmal kommen sie einfach so
die schweren, tiefen Fragen des Lebens
werden mir gestellt, drängen sich auf
überrollen mich
„Wo komme ich her, wo gehe ich hin
was hat das Leben für einen Sinn?
warum gibt es so viel Leid
Krankheit  Kriege  Streitigkeit
wo bleibt die Gerechtigkeit
die einen arm  -  die anderen reich
die einen hart  -  die anderen weich
Fragen über Fragen  
von wem bekomme ich Antwort
wer hilft mir bei den Lasten, Belastungen
und Problemen meines Lebens

besinne dich – geh in dich
begehe das Labyrinth
langsam
Schritt für Schritt   
folge dem Weg
du kommst sicher
ganz bestimmt
 in die Mitte
erwarte eine Antwort
höre auf „den da oben“
ich nenne ihn Gott    Vater Sohn und Hl. Geist
Jesus, der Christus, mein Erlöser, mein Herr

ich gehe also langsam -  Schritt für Schritt
fühle mich unsicher und unruhig
will unbedingt  hören -  
gerne eine Stimme die mit mir spricht
höre aber nur das Zwitschern der Vögel
und das Rauschen der Autobahn
aber ich werde ruhiger

langsam  -  Schritt für Schritt
folge ich den Windungen des Weges
spüre die Sonne mal im Rücken mal im Gesicht
angenehm, weil es noch früh ist
ich will in die Mitte
jetzt hab ich’s gleich geschafft
nein -  noch eine Windung
noch eine Runde
ganz nach außen
kann das sein  
Labyrinth
aber endlich
in der Mitte angekommen
Blick in die Schüssel mit Wasser und drei Rosen
wie sie so da schwimmen   
ganz ruhig
es ist ihr Bestimmung
in dieser Schüssel zu schwimmen

wo sind meine Fragen
ich habe sie unterwegs verloren
merke ich erstaunt
wie schön, sie sind also gar nicht wichtig
was ist wichtig, was zählt im Leben
nur der Augenblick sagen die einen
lebe jetzt, genieße den Tag, carpe diem
es kommt wie es kommt
lass es auf dich zukommen
schön, ich bin ganz bei mir
lass Fragen Fragen sein
Rosen schwimmen im Wasser
Probleme und Alltag weit weg
aber jetzt will muss kann ich wieder zurück
ich spüre schon wieder die Ungeduld
in der Mitte angekommen
Zeit zum Verweilen  
und doch keine Zeit
will ich schon wieder zum Ausgang
will fertig sein
die Mitte ist ja nicht das Ende

und dann eine neue Erfahrung
der Weg muss wieder ganz zurückgelaufen werden
heraus dauert so lange wie hinein
soll ich schneller laufen
nein, ich gehe langsam achtsam ganz bewusst
will nicht beschleunigen
spüre wieder
es tut gut, langsam konzentriert zu gehen
ich muss aufpassen
die anderen sind auch unterwegs
kommen mir entgegen
manchmal wird es eng
man muss sich aus dem Weg gehen
und dennoch den eigenen Weg gehen
was wohl die anderen mit ihren Fragen machen?
der ganze Weg ist voller Fragen
ich sehe sie im Gras liegen
alle haben ihre Fragen verloren
pass auf
nimm sie auf dem Rückweg nicht wieder mit

gehen langsam
Schritt für Schritt
endlich der Ausgang
geschafft aufatmen
aus der Enge in die Weite kommt mir in den Sinn
Du, Herr, stellst meine Füße auf weiten Raum
wie lange war der Weg das Gehen im Labyrinth
10 Minuten
gefühlt fast eine Stunde

Am Ausgang fällt mir dann die Antwort zu
obwohl ich ja die Fragen verloren habe
„Ausgang und Eingang, Anfang und Ende
liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände“
ich komme von dir und ich gehe zu dir
was immer passiert
was immer geschieht
bei allem was ich nicht verstehe
Du Gott, Vater, Sohn und Hl. Geist
bist dabei  -  mit mir   -  bei mir
ich bin nicht allein
du weißt meinen Weg
du kennst mein Leben
gibst acht auf mich
wenn ich achtsam bin
du hast Worte des Lebens
du, Gott, des Lebens
du liebst mich
und die anderen auch
die anderen sind ja auch noch da
gehen auch ihren Weg mit dir, Gott
und manchmal
oder oft
je nach dem
gehen wir ein Stück des Weges gemeinsam

30. Juni 2015
Hanni Schneider

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